God of War Ragnarök

(Copyright: Sony)

“Sehen wir dich wieder?“ …fragten wir uns 2018 nach dem fulminanten, er enorm offenen Ende von God of War. Und eigentlich sollte es ja dann schon letztes Jahr so weit sein mit der Fortsetzung. Aber dann kamen die Pandemie und noch einige andere dunkle Sachen dazwischen, und wir dachten schon, dass God of War: Ragnarök vielleicht gar nicht mehr erscheinen würde – aber nun ist es am 9. November doch endlich so weit. Und da ich das Game nun schon – Sony sei Dank – schon eine ganze Weile habe, kann ich euch auch schon jetzt erzählen, was euch erwartet.

Was ist denn alles neu? – wollt ihr jetzt sicherlich wissen. Aber langsam, eins nach dem anderen. Und ich werde auch versprechen, möglichst nicht zu spoilern. Und wenn doch, dann nicht ohne Vorankündigung.

Audio/Podcast zum Gamecheck:

Wie alles beginnt

Wir erinnern uns  (oder auch nicht): Der Vorgänger endete damit, das Kratos und Atreus die Asche von Faye verstreuten und anschließend nach Midgard zurückkehrten. Wo ihnen Mimir – das ist der sprechende Kopf ohne Körper, der sich für den schlauesten Menschen der Welt hält – also, wo ihnen eben diese Mimir steckte, dass Fibulwinter begonnen habe – ein dreijähriger Dauerfrost.God of War: Ragnarök setzt drei Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers ein. Fibulwinter ist noch nicht vorüber  und Kratos und Atreus hocken noch immer in Midgard. Was Atreus – inzwischen drei Jahre älter und voll in der Pubertät – so gar nicht passt: Er wirft Kratos vor, sich zu verstecken. Ja, die lieben Kleinen.

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Generationenkonflikt und Familienbande

So ist der Vater-Sohn-Konflikt in Ragnarök noch mehr Thema als im Vorgänger. Während der dauerbesorgte Kratos Atreus beschützen und immer noch besser ausbilden will, um seinen Sohn für alle Eventualitäten zu wappnen, ist Atreus eher der intellektuelle Gemütsmensch, der sich um Tiere kümmert und auf einer Art Selbstfindungstrip ist. Er will nicht kämpfen, sondern Antworten haben: Wer ist er, wer ist Loki, ist er vielleicht sogar Loki, was geht da ab in der Welt und überhaupt. So kracht es dann immer wieder einmal.  

Andererseits wachsen die beiden auch immer enger zusammen. Auch, weil Atreus selbstständiger geworden ist und auch als Krieger mächtig dazugelernt hat, was dann im Spielverlauf immer wieder von Bedeutung ist.

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Immer Ärger mit den Göttern / SPOLIERALARM

Schnell aber ist es mit der sicheren Abgeschiedenheit von Midgard und der Sicherheit ihres Heims vorbei, als Odin und Thor die beiden aufspüren. Göttervater Odin ist zwar immer noch ziemlich angepisst wegen der Vorfälle im letzten Teil (wo Kratos ja einige nahe Verwandte abgeräumt hatte), will die Sache aber vom Tisch haben und bietet ihm an, seiner Ex die ewigen Angriffe auf ihn auszureden und ihn auch sonst in Ruhe zu lassen. Der Haken: Dafür soll Atreus endlich aufhören, nach dem angeblich toten, aber anscheinend doch nicht so toten Tyr zu suchen. Was Kratos dann aber ablehnt. Womit die Sache dann eskaliert. Odin bleibt stinkig und Thor sowieso. Der ihn zum Kampf fordert (der erste kleine Bossfight über mehrere Runden im Game).

Jetzt haben die beiden nicht nur erneut sämtliche Götter an der Backe, sondern auch immer noch den drohenden Weltuntergang, den Ragnarök. Die Lösung von all dem könnte nun tatsächlich bei Tyr liegen. Der anscheinend ja doch noch lebt und sich irgendwo in den neun Sagen-Welten aufhalten soll. Und Atreus hat auch schon eine erste Spur. So weit in ganz groben Zügen die Story. Bzw. deren Anfänge. Spoiler Ende.

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Neues vom Schlachtfeld

God of War: Ragnarök kommt jetzt nicht mit bahnbrechenden Neuerungen und irren Innovationen, macht aber vieles ein bisschen besser und setzt an den richtigen Stellen noch einen drauf. Beispiel Kämpfe: Hier geht es noch immer mit Schild, Axt und Chaosklingen heftigst zur Sache. Und wie beim Vorgänger auch ist das kein tumbes Hack & Slay, die Kämpfe erfordern auch jetzt wieder viel Taktik und Timing. Durch neue Moves und Finisher wird der Tanz mit den Götter- und Fabelgegnern aber noch runder, noch besser.

Dazu kommen mehr und abwechslungsreichere Gegner und ein gereifter Atreus, dessen Bogen nun auch neue Fertigkeiten drauf hat und zum Beispiel mit Schallwellen arbeiten kann, die ihm ein Zwergenschmied eingebaut hat.

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Verfeinertes Ausrüstungs-Puzzle

Im neuen Fertigkeitsmenü können die Fähigkeiten der Waffen und von Atreus mit zuvor gesammelten EPs zudem aufgewertet werden. Die werden auch besser, je öfter man sie einsetzt, sodass ihr euch allein durch den Kampf schon spezialisieren könnt. Schick ist schließlich auch, dass ich Fähigkeiten, die ich nicht benötige – zB weil sie im Kampf nur im Weg sind – einfach deaktivieren kann. Feine Sache.

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem komplexen Ausrüstungs-Puzzle, mit dem sich – wenn man mag – lange beschäftigen kann. Runenkräfte, Waffenzusätze oder Elementarstatus sind weitere Aspekte, die die Kampfkraft beeinflussen. Anlaufpunkt für Waffenüberarbeitungen ist zB Brok, der Zwergenschmied. Der hat jetzt praktischerweise auch eine Truhe in seiner Werkstatt stehen, in der all der Kram landet, den ich nach Kämpfen vergessen habe, aufzusammeln.

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Anspruchsvolle Rätselei

Ragnarök besteht aber nicht nur aus Kämpfen, auch wenn die einen wichtigen Bestandteil darstellen. Auch die vielen kleinen und größeren Logik- und Physikrätsel sind wieder mit dabei. Vieles hat da mit den Elementen Wasser, Feuer und Eis zu tun. Manche müssen wir lösen, um weiterzukommen, andere dürfen wir lösen, wenn wir Extra-Stuff haben wollen. Wobei sich Mimir und Atreus immer wieder als nützliche Tippgeber profilieren.

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Wundervolle größere Spielewelt

Wie auch schon im Vorgänger haben wir es in Ragnarök mit einer teiloffenen Spielewelt zu tun, in der die einzelnen Areale durch Portale miteinander verbunden sind. Dem freien Bewegungsdrang sind also immer wieder Grenzen gesetzt, oftmals ist euer Weg auch vorgezeichnet. Trotzdem aber hat man nie das Gefühl, wirklich eingeengt zu sein. Ohne jetzt zu viel verraten zu wollen: Es gibt – natürlich – auch neue Areale und Welten, wie etwa das fantastische Svartalfheim, das Reich der Zwerge, an dem man sich in den ersten Minuten gar nicht satt sehen kann, so großartig wie das mit all seinen Details gestaltet ist. Oder die eis- und schneefreien Auvangar-Feuchgebiete, die eine willkommene Abwechslung zum Dauerfrost von Midgard bieten.

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Göttliche Technik

Technisch ist God of War: Ragnarök ein echtes Brett. Zumindest auf der PS5, auf der ich das Game gespielt habe. Was da an Grafik, Animationen, Weitsicht und liebevollen Details aufgefahren wird, ist einfach irre. Die Spielewelt wirkt so dermaßen lebendig und real, als sei man selber mit dabei. Da friert man im Schnee mit, kämpft gegen den Sturm, und erschrickt vor den monströsen Bossen.

Gleiches gilt für den Sound mit seinen wuchtigen Kampfgeräuschen, bei dem sogar die gelungene deutsche Synchronisation nicht den Wunsch weckt, auf das Original umzuschalten. Die Stimmen passen perfekt und agieren voller Spielfreude und zuweilen auch mit viel Humor. Allein die Abmischung stimmt nicht immer, manche Stimmen sind einfach eine Spur zu leise, aber das ist jetzt auch kein Drama.

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Fazit

God of War: Ragnarök ist der erhoffte Mega-Titel geworden. An den richtigen Stellen verbessert, mit einer tollen Story mit viel Tiefgang, einem Weltklasse-Kampfsystem und einer Technik vom Feinsten. Und dazu noch wesentlich umfangreicher als der Vorgänger: Wer alle Nebenquests mitnimmt – und davon gibt es jede Menge – dürfte gut 40 Stunden beschäftigt sein. Ein Game mit klarem „Spiel des Jahres“ Potential.      

Game: God of War Ragnarök
Genre: Action Adventure
Plattform: PS5, PS4
Release: 09.11.2022
Entwickler/Publisher: SCE Santa Monica Studio / Sony Interactive Entertainment
USK: ab 18
Sprachausgabe/Texte: Deutsch / Deutsch
Webseite: https://www.playstation.com/de-de/games/god-of-war-ragnarok/
Wertung: 10 von 10